Verhalten im Usenet

Usenet-Netiquette

Als Medium mit einer eigenen Geschichte gelten im Usenet spezielle Gepflogenheiten und Verhaltensregeln, die sich auch aus den technischen Besonderheiten im Usenet ergeben. Wie in einem Forum im World Wide Web gibt es auch im Usenet gewisse Regeln, an die sich alle Nutzer halten müssen. Daher gibt es die Etikette fürs Netz, kurz Netiquette, die sich in ihren Grundsätzen am Miteinander im echten Leben orientiert. Überwacht wird die Netiquette durch die Mitglieder selbst, es gibt keine Kontrollinstanz im dezentral organisierten Usenet. Umso wichtiger ist die Einhaltung der Regeln durch alle Nutzer. Einige Nutzer sehen die Gefahr eines "anarchischen Netzwerks", sobald ein Regelverstoß auftritt und weisen daher auch auf kleinste Fehler sofort hin.

Grundlegendes zum Miteinander im Usenet

Teilnehmer des Usenets sollten stets im Hinterkopf behalten dass sie mit anderen Menschen interagieren, nicht mit Computern. Besonders ist dabei zu beachten, dass nicht nur Usenet-Nutzer aus dem deutschsprachigen Raum mitlesen, sondern Menschen aus aller Welt. Das bedeutet auch, dass Nutzer auf ihren Tonfall achten sollten und nachdenken sollten, bevor sie etwas posten. Denn was einmal im Usenet ist, kann von allen anderen gesehen werden und ist im Regelfall nicht mehr lösch- bzw. bearbeitbar. Gerade bei der schriftlichen Kommunikation können leichter Missverständnisse auftreten als in einem Gespräch von Angesicht zu Angesicht. Mit Ironie, Sarkasmus und speziellem Humor ist sehr vorsichtig umzugehen.

Artikel richtig im Usenet schreiben

Wer einen Artikel verfasst, sollte darauf achten, dass er den anderen Nutzern einen Mehrwert bietet. Schlüssige Argumente, hochwertige Inhalte und klare Standpunkte bringen andere Nutzer wirklich weiter und erfüllen somit den Zweck des Usenet. Artikel sollten nicht unnötig in die Länge gezogen werden, übersichtlich gegliedert und selbstverständlich frei von inhaltlichen und orthografischen Fehlern sein. Dies erhöht die Lesbarkeit und erleichtert Nutzern das Leseverstehen. Nicht selten werden jedoch Artikel im Usenet mit sogenannten Footern versehen – diese werden im Usenet nicht gern gesehen. Ein Footer ist ein Text, der von der Software selbst erstellt wurde und auf dessen Inhalt der Verfasser des Artikels wenig bis keinen Einfluss hat. Meist enthält er Hinweise darauf, mit welchen Programmen der Artikel bearbeitet worden ist. Alle Postings im Usenet werden als reine Text-Dateien verschickt – nicht im HTML-Format. Im Header eines jeden Postings sollten deutsche Umlaute vermieden werden – sowohl im Namensfeld als auch im Betreff. Zudem sollen Nutzer ihren realen Vor- und Zunamen angeben. Die Ansprache im Usenet erfolgt nach englischem Vorbild per "du". Wer siezt, fällt sofort als Neuling auf.

Posting-Verhalten in Newsgroups

Gar nicht gern gesehen sind im Usenet sogenannte "human gateways". So bezeichnet man Nutzer, die nichts anderes tun, als Artikel aus anderen Newsgroups, die für jedermann zugänglich sind, ins Netz weiterzuleiten. Auch sollte man nicht ein und denselben Artikel mehrmals in verschiedenen Newsgroups posten (Crossposting genannt), denn zahlreiche Nutzer lesen die Nachrichten aus den Newsgroups offline, nachdem sie sie gesammelt auf ihre lokale Festplatte heruntergeladen haben. Anschließend beantworten sie Fragen oder nehmen Stellung zu Diskussionsthemen, um ihre Nachrichten an ihren jeweiligen Server zurückzusenden. Ständiges Wiederholen von News-Inhalten und das Versenden derselben Nachricht an verschiedene Gruppen – Crossposting genannt – ist daher nicht gern gesehen. Um dieselbe Frage nicht aus Versehen doppelt zu stellen, können Nutzer sicherheitshalber erst einmal in die FAQ einer Newsgroup schauen. Dort sind die am häufigsten gestellten Fragen gesammelt und die Antworten einsehbar. Diese Gruppen beginnen in Deutschland mit "de.newusers" und bieten vor allem für unerfahrene Usenet-Teilnehmer eine erste Orientierung.

Follow-Up-Postings

Bei den sogenannten Follow-Up-Artikeln ist es üblich, die Stellen aus dem Originalposting zu zitieren, auf die man direkt Bezug nimmt. Das ist deshalb sinnvoll, weil die Leser dann nicht den kompletten Artikel lesen müssen, sondern ganz übersichtlich das Zitat und die direkte Antwort darauf sehen können. Dabei sollten Nutzer darauf achten, dass sie genau so viel zitieren, wie nötig ist, um den Zusammenhang des Zitats zu erkennen. Zu lange Zitate sind eher kontraproduktiv im Hinblick auf die Lesbarkeit und das inhaltliche Verständnis der Leser. 

Werbung in der Newsgroup: Spam verboten

Eigenwerbung im Usenet zu betreiben, ist verboten. Mittlerweile besteht die Möglichkeit, über das World Wide Web auf das Usenet zuzugreifen und in Newsgroups zu posten. Einige Unternehmen integrieren Eigenwerbung in die Signatur eines Postings, ohne dass der Verfasser dies beeinflussen kann. Dies führt zu Unmut unter den Nutzern und kann zum Ausschluss aus der Newsgruppe führen. Lediglich ein Hinweis auf eine eigene Webseite in der Signatur wird geduldet. In der Vergangenheit wurden bereits Gruppen durch teils robotergenerierte zusammenhanglose Werbe-Postings zerstört.

Binär-Dateien als Anhang

Eines der schlimmsten Vergehen im Usenet ist das Anhängen von Binärdateien als Attachement im Posting in Textgruppen: Denn Dateien im Binär-Format können nicht von allen verfügbaren Programmen eingesehen werden. Lediglich in Gruppen, die Binär-Dateien explizit ausnahmslos autorisieren, können Dateien mit solch großen Datenmengen versendet werden. Allerdings führen viele klassische Newsserver diese Newsgroups von vornherein nicht.

Datenschutz im Usenet

Das Thema Datenschutz spielt im Usenet genauso wie im World Wide Web eine wichtige Rolle. Auch im Usenet gilt: Beiträge sind nicht nur für jedermann lesbar, sondern werden auch archiviert und können zu einem späteren Zeitpunkt wieder abgerufen werden. Auch von kommerziellen Datensammlern können Beiträge gespeichert werden. Wie auch im World Wide Web hat es daher der Nutzer in der Hand, wie viel er von sich preisgibt und welche Informationen er lieber für sich behält.